So, re:publica 2009 schon eine kleine Web-Ewigkeit her, die Dokumentation in Bild und Ton lässt Verpasstes nachholen und wer Meinungen sucht, der findet sie zuhauf im WWW. Hier sticht natürlich zuerst die Kritik ins Auge, die sich aber wohl vor allem auf organisatorische Schwächen bezieht (mehr hier) die unter anderem mit dem schnellen Wachstum der jungen Konferenz zusammenhängen und die im nächsten Jahr bestimmt ganz anders angegangen werden. Also “stop bitchin”, schließlich zählen die Inhalte.
“Shift happens”, darum gings in vielen Facetten, manchmal zum Teil etwas unfokussiert in den Diskussionsrunden und im Ablauf, aber das ist ja vielleicht auch schon so eine Facette des Wandels.
Wandel also: Das WWW wuchert, wächst, wird irgendwie alltäglicher, und das so ziemlich überall – Mediatisierung eben. Wir holen es uns, “das Internet”, werden Teil einer multimedialen Read/Write-Culture. Aber das Web dringt auch bei uns ein, es verändert Öffentlichkeit und Privatsphäre, wir müssen Identitäten managen und unsere Profile in Web-Communities könnten sein wie holländische Wohnzimmer ohne Gardinen: Man könnte reinschauen, aber man tut es nicht, wie Jan Schmidt treffend formuliert (slide 22, hier ca. min 11). War früher auch so, könnte man sagen, aber je weiter das Internet in alle Lebensbereiche vordringt, desto deutlicher tritt der Wandel zu Tage und produziert Konflikte. Vor allem im Urheberrecht und Datenschutz. Wir befinden uns in einem Übergang, der alte Institutionen herausfordert und nach einer Gestaltung des Neuen ruft, auch damit unsere Kinder nicht alle als Verbrecher aufwachsen.
Gestaltung also: passiert (bisher) nicht an zentraler Stelle, sondern überall gibt es netzbegeisterte Menschen, die sich dem Wandel stellen. Sei es in der Politik, in der Schule, in der (eigenen) Produktion, als NGO (Aktion Mensch, danke für den Empfang), als Aktivistin oder eben als Joe Blog. Ob in Deutschland, Frankreich oder Afrika, die Entwicklung des Internet ist kritisch, aber sie wird von vielen Seiten angegangen. Für mich war das auf der re:publica eine gelungene Mischung (dickes Lob, sorry wenn pathetisch). Bin perturbiert, im positiven Sinne.