Monatsarchiv für März 2010

 
 

Die Welt der Atomkraft-Freunde

Heute in der TAZ wurde über die International Conference on Access to Civil Nuclear Energy berichtet, die vom 8. bis 9. März in Paris stattfindet. Dort geht es um Atomkraft, sorry: Kernenergie, als sichere, saubere, ja nachhaltige Energie der Zukunft. Laut Artikel sollen in dieser Zukunftsversion bis 2030 450 neue Atomkraftwerke gebaut werden und auch danach wird es so weiter gehen. Nichts also mit Brückentechnologie. Vielmehr sollen auch neue Länder in die zivile Nutzung der Atomenergie einsteigen. Bei der Nuclear Engergy Agency kann man sich auch den Nuclear Energy Outlook herunterladen, der die Kernaussagen noch einmal zusammenfasst.

Hier zeigt sich auch wieder, dass Nachhaltige Entwicklung eben wirklich nur ein Leitbild für die Zukunft ist, dessen konkrete Ausgestaltung ausgehandelt werden muss. Welche Rolle die Kernenergie dabei spielen wird, wird aktuell auch in Deutschland neu verhandelt (wer ein bisschen mitverhandeln möchte kann hier beim BUND eine Nachricht an Herrn Röttgens schicken). Spannend aus Kommunikationssicht sind die “Storys”, welche Befürworter und Gegner dabei erzählen.

Die Befürworter von Kernenergie stellen die wissenschaftlichen Grundlagen in den Vordergrund und bieten umfangreiches Informationsmaterial, z.B. hier. Es gibt sogar eine Reaktorsimulation zum herunterladen (schönes Zitat hier, der Vieles verdeutlicht: “Wenn der Reaktor in Betrieb ist, wuseln dort Neutronen herum”). Die Botschaft ist klar. Kernenergie ist eine sichere und beherrschbare Technologie, Technikentwicklung als Synonym für Fortschritt. Komisch, mich erinnert diese Technikfaszination an Science Fiction Romane aus den 50ern (glaub ich), wo selbst der Toaster atombetrieben war.

Die Gegner dagegen stellen vor allem auf den Risikoaspekt ab und sehen Atomkraft als schmutzige, unsichere Energie, die absolut störanfällig und damit ein Risiko für jede Gesellschaft ist. DAS Symbol hier ist das Warnzeichen für radioaktive Stoffe. Hier also keine Technik-Utopien, sondern eine Welt in der es Fehler, Gefahren und vor allem noch viel zu viele unbeantwortete Fragen gibt.

Damit man vor diesem eher dystopischen Schreckensszenario nicht die Augen verschließt finde ich es wichtig, eine Zukunft mit Erneuerbaren Energien mit Leben zu füllen. Gerade weil bei den dezentralen Erneuerbaren Energien viel mehr Menschen gewonnen werden müssen.

Nachhaltiger Konsum als Designfrage

Gerade habe ich einen interessanten Artikel mit dem Titel “Overconsumption is just Bad Design” von Jonah Sachs (Mitgründer der Free Range Studios – ihr wisst schon, Store Wars, Meatrix etc.) gelesen. Seine Argumentation: Bis zu den 50er Jahren ging es bei Produkten noch um das Produkt an sich. Weil aber viel mehr Produkte hergestellt wurden als man kaufen konnte, fingen die Unternehmen an, statt Produkte Geschichten bzw. Marken zu verkaufen und so Konsum als identitätstiftende Lebensaufgabe zu etablieren.

Soweit so gut. Das Problem, welches er sieht ist, dass Konsum nicht glücklich macht. Und hier liegt die Chance für ein “Redesign”, welches einen Bewusstseinswandel hervorbringt. Als Beispiele nennt er “Story of Stuff“, “shareable.net” und “no impact man“. Wer noch etwas mehr von Sachs lesen möchte, der kann hier einen Blick auf sein Kapitel im aktuellen “State of the World 2010 Transforming Cultures” werfen (auf deutsch übrigens beim oekom Verlag unter dem Titel “Zur Lage der Welt 2010 – einfach besser leben” erschienen).

Karmakonsum Gründer-Award 2010

Bist du ein Existenzgründer und hast seit dem 1.1.2008 ein Unternehmen mit öko-sozialer Geschäftsidee auf die Beine gestellt? Dann kannst du dich für den Karmakonsum Gründer-Award bewerben. Als Gewinn winkt neben Anerkennung auf der Karmakonsum Konferenz ein Dienstleistungspaket im Wert von 30.000 Euro (darunter natürlich Eintrittskarten zur Karmakonsum Konferenz, sowie redaktionelle Berichterstattung in der TAZ und bei Schrot&Korn, ein Mentorin-Angebot, ein Büromöbelgutschein und Ökostrom). Ich komme ja selbst aus der Wissenschaft, aber ich denke, so ein Paket kann ein Unternehmen ein ganzes Stück weiterbringen. Es macht jedenfalls Mut, dass in dem Bereich gerade so viel passiert.  Ach ja Bewerbungsschluss ist der 25.April 2010.

Zur Einstimmung ein noch ein Video: