Demokratie in Online-Communities?

Das Internet war ja besonders in seinen Anfängen geprägt von großen Hoffnungen auf eine demokratischere Gesellschaft. Unter Begriffen wie Cyberdemokratie, elektronische Demokratie oder E-Democracy ging es darum, das politische System offener und effizienter zu machen bis hin zu Vorstellungen von einem vollkommen neuen und freien Informations- und Kommunikationsraum. Dann kam die Kommerzialisierung, der Dot-Com Crash und nun schließlich das Web 2.0, wo viele alte Hoffnungen wieder aufleben zumal sich das Internet (bzw. WWW) nun wirklich als Massenphänomen durchgesetzt hat.

Die Konsequenzen kennen wir: Tausende Menschen bevölkern Community-Plattformen wie StudiVZ, MySpace, Wer-kennt-wen, Orkut, facebook, oder in Richtung Nachhaltigkeit z.B. Utopia. Die Nutzung erfolgt aus unterschiedlichsten Motiven, aber in jedem Fall entsteht durch die Nutzer Content und sie hinterlassen persönliche Informationen.

Im Gegensatz zu früheren Communities bewegen die Nutzer sich auf diesen Plattformen nicht anonym, unter Pseudonymen, sondern stellen in der Regel reale Informationen bereit. Cyberspace ist nicht so sehr etwas wo man eintaucht und eine andere Rolle annimmt, mit Identitäten experimentiert.  Vielmehr verlagert sich das reale Leben ein Stück weit ins Virtuelle. Im Laufe einer solchen Online-Nutzung entstehen Inhalte, Netzwerke und persönliche Daten, deren Erstellung und Pflege viel Zeit und Energie kostet.

Dies wirft zunehmend die Frage danach auf, welche Rechte eigentlich die Nutzer auf diesen Plattformen haben. Hatte man lange Zeit das Gefühl, dieses Kleingedruckte gehöre gewissermaßen dazu und man muss eben bestimmte Rechte abtreten, scheint nun etwas Bewegung in diese Frage zu kommen, wie der Fall von Facebook zeigt: Hier stieß die Änderung der AGBs auf großen Widerstand seitens der Nutzer, woraufhin eine Art der Nutzerbeteiligung bei der Erstellung der AGBs eingeführt wurde (der Fall ist hier zusammengefasst). Eine wissenschaftliche Beurteilung fällt allerdings allerdings eher skeptisch aus. Die Autoren sehen sowohl die Inhalte als auch die (technische und administrative) Umsetzung kritisch.  Nichtsdestotrotz ist der Gedanke von demokratisch organisierten Communities in der Welt.

Natürlich bleibt fraglich, ob durch erhöhte Partizipation eine bessere, gerechtere Community entstehen würde (zu den Herausforderungen der Partizipation durch Social Media finde ich die Gedanken hier sehr schön). Vielleicht würden es ja bestimmte Auflagen für Community-Betreiber auch tun. Ich denke jedoch, einen Versuch ist es wert.  So könnten vielleicht Frustrationen der Nutzer vermieden werden. Und wer weiß, so ein partizipatives Grundverständnis könnte auch als Vorbild für Online-Aktivitäten von anderen Organisationen dienen.

Was hat das Ganze mit Nachhaltiger Entwicklung zu tun? Na, Partizipation und Nachhaltige Entwicklung gehören eng zusammen. Aber dazu ein andermal mehr.

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