Letzten Samstag verteilten Leute von Attac nach eigenen Angaben etwa 150.000 Ausgaben einer gefakten Ausgabe der ZEIT, wie unter anderem Spiegel ONLINE berichtete. Die Ausgabe aus der Zukunft (2010) enthielt vor allem gute Nachrichten über aus Attac-Sicht wünschenswerte Entwicklungen. gespickt mit Anzeigen im Kommunikationsguerilla-Stil. Dazu gibts natürlich auch die passend gefakte Internetpräsenz (dort kann man sich auch die einzelnen Seiten der Printausgabe als PDF runterladen).
Als Inspiration dienten dabei, wie gleich auf der ersten Seite der Print-Version zu sehen ist, die (zumindest meiner Meinung nach) fast schon legendären Yes Men. Diese Künstlergruppe fälschte eine Prinausgabe der NY-Times (kann hier bei Spiegel Online heruntergeladen werden), ebenfalls mit Web-Begleitung.
Zeifellos eine erfolgreiche Aktion von Attac, jedenfalls dem Medienecho nach. Neben all den Gemeinsamkeiten mit den Yes Men gibt es allerdings einen Unterschied zwischen den beiden Aktionen:
“Echtheit”: wusste nicht genau wie ich das nennen sollte, aber es geht mir darum, wie lange der Leser im Zweifel über die Echtheit gelassen wird. Die Yes Men verraten sich dabei höchsten in der Überzogenheit der Inhalte (obwohl man bei ihrem Erfolg manchmal denken könnte, es ist egal wie sehr man überzieht ). Attac jedoch weißt gleich auf Seite 1 darauf hin, dass die Ausgabe von ihnen stammt und die Website dient vor allem als Infosite für die Organisation. Vielleicht liegt dies darin begründet, dass Attac eine NGO und die Yes Men eher eine Künstlergruppe sind und so unterschiedliche Ansprüche an die Aktion gestellt werden. Ich möchte mir auch kein Urteil darüber erlauben, welche Strategie wirksamer ist. Aber ich persönlich hätte es cool gefunden, wenn man ein bisschen mehr hätte Rätseln müssen, wer die Urheber sind… Andererseits wäre die ec hte ZEIT darüber vielleicht nicht so froh gewesen.
Auch finde ich aus “Web 2.0″ Sicht irgendwie schade, dass auf der Zeit-Seite keien Feedback-Möglichkeiten gegeben sind. Wenn man sich dort schon als Organisation präsentiert, wäre es doch schön gewesen, hier ein paar Meinungen zu hören – aber dafür ist dann wohl die Blogosphäre da.
Ein Kommentar
Zwei Nachträge:
- Heute habe ich eine gedruckte Ausgabe ergattern können.
- Die taz berichtet auch über die Aktion und geht auch auf den Vergleich mit den Yes Men ein. Hier sehen sie aber klar die Vorteile auf seiten von Attac, da bei den Yes Men der “Aha Effekt” im Vordergrund stehe und dann nur über die Yes Men berichtet würde, während bei Attac ein ganzes Programm hinter der Aktion stehe.
Ein Trackback
[...] hatte sie einige gedruckte Ausgaben der gefälschten Zeit [...]